Die sorgenvollen Gesichter

(November 2004) für 4- 8 stimmigen gem. Chor und Soli (S.A.T.B.)
Dauer ca. 12 min

Text: Wolfgang Hilbig
diese Dichtung Wolfgang Hilbigs regte mich bislang auch zu
4 anderen Kompositionen an:
wenn der winter kommt – für flöte und gitarre
still und leer – für flöte, gitarre und sopran
wo jetzt hingehen – für schlagzeugquartett
herbstschwer – für 4 instrumente ad libitum

Es ist nicht nur der semantische Wert der Dichtung, sondern seine poetischen Sprachkristalle, die mir immer wieder eine Inspirationsquelle sind. Mit dieser Motette ist der Text von mir zum erstenmal unter seinem originalen Titel vertont, auch gibt es keine zusätzlichen instrumentalen Deutungen, bzw. Brechungen, – bei aller Entschiedenheit im Text, konsequente und fantasievolle Beschreibung eines Endzustandes, erfährt die Ratlosigkeit und Sorge in der Poesie von Wolfgang Hilbig doch Hoffnung und Tröstliches (ein Ausweg scheint in den nachfolgenden nicht geschrieben Zeilen irgendwie schon vornotiert…). in diesem Spannungszustand zwischen Realität und Dichtung eröffnet sich der klanglichen Poesie eine schöpferische Reibungsfläche.

text:
die sorgenvollen gesichter

morgens erhoben wir uns
schlaftrunken aus dem gras und ratlos
sahn wir den wald sich entlauben hungrig
die hände leer sahn wir blätter feucht
fallen und herbstschwer die bäume stehn
still über unserem lager im tau

einbrach gestern das dach
von unserm pfefferkuchenhaus
weil wir die wundervollen wände aufaßen
samt den türen fenstern und zäunen aus zuckerwerk
alle äpfel rissen wir von den bäumen alle nüsse
und leertranken wir die brunnen aus denen süßer wein floß

wo jetzt hingehn wenn der winter kommt
und der lästige schnee fällt


(1968, Wolfgang Hilbig)
Abdruck mit Genehmigung des Autors
besetzungshinweise

Vokalmusik

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