(Februar bis April 2010) für Violine solo oder Viola solo und Elektronik
Dauer 32 min | manuscript
Solo 1 für Violine oder Viola
Solo 2 Elektronik solo
Solo 3 für Violine oder Viola und Live-Elektronik und Zuspiel
Solo 4 Elektronik solo
Solo 5 für Violine oder Viola und Live-Elektronik und Zuspiel
Diese Komposition entstand im Auftrag der musica aperta (Winterthur/Schweiz) für den Geiger Egidius Streiff.
Das Stück erfordert nicht nur spieltechnische Qualitäten auf dem Instrument, sondern auch eine szenische Lust und Präsenz.
Die Komposition kann von einem kreativen Musiker auch in gekürzter Form interpretiert werden, wenn er die Dramaturgie und Idee der ganzen Partita verstanden hat. Er kann eigene Lösungen finden, auch in Absprache mit mir:
Ich kann ihm Lösungen für eine gekürzte Fassung vorschlagen (auch ohne Elektronik). Siehe unter dem Werk LUD.
Text zum Werk:
Partita II – LYDIA – für Violine und Elektronik (für Egidius Streiff)
Lydia ist die Bezeichnung für das antike Königreich Kleinasiens und ist ein Frauenname \“die, die aus Lydien kommt\“, aber ich meine damit zunächst rein musikalisch den lydischen Modus, auf dem die gesamte Partita basiert.
Der lydische Modus beinhaltet für mich etwas Besonderes. Mit seinen zwei Leittönen überbietet er die uns so sehr vertraute Dur-Skala. Es lebt ein wunderbarer melodischer Konflikt im Lydischen, dass es zwei nach Auflösung strebende Leittöne gibt und die zu Beginn ansteigende übermässige Quarte eine enorme Energie entwickelt, die dann mit dem zweiten Leitton auf der siebten Stufe fast unwichtig und beiläufig verschwindet…, der Reiz aber bleibt im Gedächtnis.
Im Solo 1 der Partita wird dieses Merkmal nicht nur rein musikalisch gestaltet, vielmehr forme ich aus diesem Spannungsverhalten eine Dramaturgie, die einen Konflikt darstellt, dass der Interpret seinen Standort, seinen Ausgangspunkt und sein musikalisches Ziel sucht. Er scheint getrieben zu werden…, dabei reagiert er mit percussivem und geräuschhaften Materilaien…
Das zweite Solo der Partita ist rein elektroakustisch gearbeitet und „vertreibt“ den suchenden Musiker von der Bühne.
Das dritte Solo bringt den Interpreten zurück, er erobert sich seinen Raum wieder, „er steht nun fest“ und kann sich ganz dem spielerisch-musikalischen Gedanken widmen. Es entsteht ein Geigensolo pur, welches ganz auf der übermässigen Quarte dieser Skala basiert und diese immer mehr in den Vordergrund als auffälligen Klang etabliert. Dabei bildet in der Mitte des Solos ein ruhiger Satz, mit der Bezeichung „Lied“, den Versuch, ein Espressivo zu formen, was den für mich lyrischen Charakter von lydisch spüren lassen soll.
Hinzu tritt die Ebene der Elektronik, eine Klangverschmelzung findet statt bei der die Violine quasi aufgesaugt wird und dann ganz im
Solo 4, das wiederum rein elektroakustisch ist, verschwindet.
Im Solo 5 nähert sich die Violine wieder vorsichtig dem Hörer und spielt zunächst ein sehr rhythmisches Muster, welches die Geige als peruccusives Instrument zurückbringt, um dann
den Interpreten ganzheitlich auch mit seiner Stimme zu vereinnahmen.
Schliesslich folgt reprisenartig ein ruhiges und sicheres Auftreten des Spielers, auch als Darsteller, aber im Gegensatz zum Solo 1 ist er jetzt vereint mit seiner Stimme zufrieden und sicher.
Soweit die Geschichte, bzw. die Abfolge der Partita II.
Es gibt eine gekürzte Fassung namens LUD.
Ich habe mit Egidius Streiff diese gekürzte Fassung verfasst, die nicht all das Beschriebene tragen kann, aber die dem Grundcharakter des Stückes Rechnung trägt und ihn zu einem Solo komprimiert.
Aus dieser zweiten Fassung heraus bin ich zu dem Standpunkt gekommen, dass diese Partita mit seinen drei Soli für Geige jederzeit von einem erfahrenen Interpreten in einer eigenen gekürzten Fassung aufgeführt werden kann, auch ein Austauschen von Solostrukturen untereinander ist möglich, wenn das oben beschriebene dramaturgische Element erhalten bleibt.
Denn der Name Lydia des antiken Königreiches (ebenso als Lydien und Lyder bekannt) ist abgeleitet aus dem Hebräischen von dem Namen Lud und bedeutet Streit, Konflikt.
Lud blieb mit seinen Nachkommen, so erzählt das Alte Testament, nach der Landung der Arche Noahs auf dem Berge Ararat in diesem Gebiet und aus seinen Nachkommen entstand der Volksstamm der Lyder.
Streit möchte ich als etwas Fruchtbares, Konfliktbewältigendes verstanden wissen:
Der Interpret sucht jetzt nicht nur seinen Standort, sondern auch in der Materialvorgabe und der Urform der Partita eine eigene musikalische Lösung, die dennoch durch die
Genauigkeit der notierten Strukturen nie etwas beliebig werden lässt und doch immer für etwas Neues offen ist.
Lydia eine Frau die aus dem Lydien in das Mazedonische Philippi auswanderte um dort als freie Unternehmerin mit der Herstellung von purpurfarbenden Gewändern sehr erfolgreich und einflussreich zu agieren.
Sie trifft dort auf den Apostel Paulus, hört seine Botschaft und ist von der christlichen Idee entflammt, lässt sich von Paulus taufen und wird so der erste Christ auf dem europäischen Kontinent…. Welch eigenwillige Story, welch lydische Energie…
besetzungshinweise
Kammermusik, mit Elektronik, mit Streichern, Solostücke